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Solarpark und Windräder auf Ackerland in Norddeutschland, dahinter ein Hochspannungsmast und ein Umspannwerk.
Energiemarkt

Negative Strompreise: was dahintersteckt und wem sie nützen

Stand:

Kurz gesagt

An manchen Tagen kostet Strom an der Börse weniger als nichts. Wer dann Strom abnimmt, bekommt für den Energieanteil Geld. Das klingt nach einer Chance für jeden Betrieb mit hohem Verbrauch. Die Wirklichkeit ist nüchterner: Auf Ihrer Rechnung kommt davon nur unter bestimmten Bedingungen etwas an. Diese Seite erklärt, welche das sind.

Wie ein Preis unter null entsteht

An der Börse kommen die Kraftwerke nach ihren Kosten zum Zug, die günstigsten zuerst. Wind und Sonne haben fast keine laufenden Kosten. An einem sonnigen, windigen Feiertag mit wenig Nachfrage liefern sie so viel, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt. Einige Anlagen können oder wollen trotzdem nicht abschalten, etwa weil sie gleichzeitig Wärme liefern oder weil das Herunter- und Wiederhochfahren teurer wäre als ein paar Stunden negativer Preise. Dann bieten Erzeuger Geld, damit jemand ihren Strom abnimmt. Der Börsenpreis wird negativ.

Die Stunden häufen sich vor allem zur Mittagszeit im Frühjahr und Sommer, wenn viel Solarstrom im Netz ist. Seit dem Liefertag 1. Oktober 2025 wird im Day-Ahead-Handel in Viertelstunden gerechnet; negative Preise können seither auch für einzelne Viertelstunden auftreten.

Wie oft es vorkommt
mit negativen Großhandelspreisen, 2025 laut Bundesnetzagentur
573 von 8.760 Stunden
im Jahr davor
457 Stunden

Was ein negativer Preis auf Ihrer Rechnung bedeutet

Der Börsenpreis ist nur ein Teil Ihrer Stromkosten. Für Strom aus dem Netz zahlen Sie zusätzlich Netzentgelte, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umlagen, grundsätzlich unabhängig vom Börsenpreis. Allein die drei Umlagen lagen 2026 auf der ersten Gigawattstunde einer Abnahmestelle zusammen bei knapp 3 Cent je kWh, die Stromsteuer im Regelsatz bei gut 2 Cent. Unternehmen des Produzierenden Gewerbes können für die Stromsteuer eine Entlastung beantragen, mehr dazu auf Stromsteuer. Ein negativer Börsenpreis senkt also nur den Energiepreisanteil, und auch das nur, wenn Ihr Vertrag ihn ohne Untergrenze weitergibt. Mit einem Festpreisvertrag merken Sie davon nichts direkt.

Eigene Photovoltaik: keine EEG-Förderung in negativen Zeiträumen

Betreiben Sie eine Photovoltaikanlage mit Einspeisung, gilt die Gegenrichtung. Nach § 51 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verringert sich der anzulegende Wert für Zeiträume mit negativem Spotmarktpreis auf null. Ausgenommen sind etwa Anlagen unter 100 kW bis zum Ende des Jahres, in dem ein intelligentes Messsystem eingebaut wird. Für ältere Anlagen gilt oft die Fassung des Gesetzes zu ihrer Inbetriebnahme; sie können unter Bedingungen freiwillig in die neue Regel wechseln. Die ausgefallenen Zeiträume werden am Ende des Förderzeitraums teilweise angehängt. In der Direktvermarktung regelt zusätzlich Ihr Vermarktungsvertrag, was mit dem Erlös in diesen Zeiträumen passiert. Für Ihren Betrieb heißt das: In diesen Zeiträumen kann es sich lohnen, Strom selbst zu verbrauchen oder zu speichern, statt ihn einzuspeisen. Ob das wirtschaftlich ist, hängt von Ihren Bezugskosten, den Speicherverlusten und Ihrem Vertrag ab.

Wer profitieren kann

Einen Vorteil hat, wessen Stromvertrag den Börsenpreis weitergibt: Dann wirkt der negative Preis auf alles, was der Betrieb in diesen Zeiträumen ohnehin bezieht. Mehr wird es, wenn sich Last zeitlich verschieben und steuern lässt. Typische Beispiele sind Kühlhäuser, die Kälte vorproduzieren, Trocknungsanlagen, Pumpen mit Speicherbecken, Ladeparks und Batteriespeicher. Wer feste Schichtzeiten hat, profitiert nur in dem Umfang, in dem negative Preise in die eigenen Betriebszeiten fallen.

Aus der Praxis: günstige Stunden am echten Profil nachgerechnet

Ein Produktionsbetrieb mit eigener Photovoltaik und spotindexiertem Stromvertrag wollte eine flexible Last nur dann laufen lassen, wenn der Börsenpreis unter 6 Cent je kWh liegt. Erhofft waren rund 3.500 Betriebsstunden im Jahr. Wir haben ein Jahr echter Börsenpreise, rund 8.760 Stunden, dagegen gelegt. Ergebnis: Unter 6 Cent lagen nur rund 1.600 Stunden. Für 3.500 Stunden hätte die Grenze bei gut 9 Cent liegen müssen. Die günstigen Stunden lagen vor allem im März, April, Mai und Juli, also dann, wenn die eigene Photovoltaik ohnehin viel liefert. Im Winter fiel ein Teil der Produktion zudem in die Hochlastzeiten des Netzbetreibers. Das war eine Auswertung vor der Investitionsentscheidung, keine umgesetzte Ersparnis.

Oft liegt der größere Hebel ohnehin beim Netzentgelt. Bei einem Maschinenbauer mit rund 240 MWh reichte rechnerisch ein kleiner Speicher, um die kurzen Hochlastzeiten seines Netzbetreibers zu überbrücken; das berechnete Potenzial lag bei einem fünfstelligen Betrag pro Jahr, vor Investitions- und Betriebskosten und nicht umgesetzt. Wie das funktioniert, steht auf Batteriespeicher im Gewerbe.

Die Lehre: Rechnen Sie die Stundenzahl an echten Preisen nach, nicht an Durchschnittswerten.

Wer was macht

  • Wir verkaufen weder Stromverträge noch Speicher.
  • Wir rechnen Ihren Lastgang gegen echte Börsenpreise, prüfen Netzentgelte, Steuern und Umlagen und zeigen, wo Flexibilität tatsächlich Geld bringt.
  • Netzentgelte setzen wir selbst um.

Häufige Fragen

Weil zu manchen Zeiten mehr Strom angeboten wird, als gebraucht wird, und einige Anlagen nicht flexibel herunterfahren können oder wollen. Dann zahlen Anbieter dafür, dass jemand den Strom abnimmt.

Laut Bundesnetzagentur in 573 von 8.760 Stunden, 2024 in 457 von 8.784 Stunden.

Meist mittags an sonnigen Tagen mit wenig Nachfrage, häufig am Wochenende und an Feiertagen, vor allem im Frühjahr und Sommer.

In aller Regel zahlt er weiter. Selbst wenn der Energiepreis negativ ist, bleiben Netzentgelte, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umlagen. Ob am Ende ein Plus oder Minus steht, ergibt nur die Summe aus weitergegebenem Börsenpreis, Aufschlägen und diesen Kosten.

Nach § 51 EEG verringert sich der anzulegende Wert für Zeiträume mit negativem Spotmarktpreis auf null. Ausgenommen sind etwa Anlagen unter 100 kW bis zum Ende des Jahres, in dem ein intelligentes Messsystem eingebaut wird. Für ältere Anlagen gilt oft die Fassung des Gesetzes zu ihrer Inbetriebnahme. In der Direktvermarktung kommt es zusätzlich auf Ihren Vermarktungsvertrag an.

Mit einem Stromvertrag, der den Börsenpreis weitergibt. Dann wirkt der negative Preis auf den Verbrauch in diesen Zeiträumen. Mehr wird es, wenn sich Last dorthin legen lässt: Kühlung, Trocknung, Pumpen, Ladevorgänge oder ein Speicher.

Das zeigt nur die Gesamtrechnung. Oft entscheiden zusätzliche Vorteile beim Netzentgelt, etwa wenn der Speicher die Hochlastzeiten des Netzbetreibers überbrückt. Mehr auf Batteriespeicher im Gewerbe.

Ihr nächster Schritt

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Quellen

  1. 1Bundesnetzagentur: Pressemitteilung zum Strommarktbundesnetzagentur.de · 5. Januar 2026
  2. 2EPEX Spot: Viertelstundenprodukteepexspot.com · 30. September 2025
  3. 3EEG § 51: Negative Preisegesetze-im-internet.de · 8. Oktober 2026
  4. 4EEG § 51a: Verlängerung des Vergütungszeitraumsgesetze-im-internet.de · 8. Oktober 2026
  5. 5EEG § 51b: Biogasgesetze-im-internet.de · 8. Oktober 2026
  6. 6EEG § 100: Bestandsanlagengesetze-im-internet.de · 8. Oktober 2026
  7. 7StromStG § 3: Steuertarifgesetze-im-internet.de · 7. Oktober 2026
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