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Ein Gaskraftwerk mit Schornsteinen und Umspannanlage neben einer Freiflächen-Solaranlage in Deutschland bei Tageslicht.
Energiemarkt

Merit-Order: warum das letzte benötigte Kraftwerk den Strompreis setzt

Stand:

Kurz gesagt

Wer sich fragt, warum Strom teurer wird, wenn Gas teurer wird, obwohl längst ein großer Teil aus Wind und Sonne kommt, landet bei der Merit-Order. Das Wort beschreibt die Reihenfolge, in der Angebote an der Strombörse zum Zug kommen. Diese Reihenfolge erklärt einen großen Teil dessen, was am Großhandelsmarkt für Strom passiert.

Die Reihenfolge der Angebote

Jedes Kraftwerk hat Kosten, die nur entstehen, wenn es tatsächlich Strom erzeugt: vor allem Brennstoff und CO2-Zertifikate. An diesen Grenzkosten orientieren sich bei funktionierendem Wettbewerb viele Gebote an der Börse. Wind- und Solaranlagen brauchen keinen Brennstoff, ihre Grenzkosten liegen nahe null. Danach folgen Anlagen mit Brennstoffkosten. Ob dabei Kohle oder Gas günstiger anbietet, hängt von Brennstoffpreisen, CO2-Preis und Wirkungsgrad ab und ändert sich laufend. Sortiert man alle Angebote von günstig nach teuer, entsteht eine Treppe. Das ist die Merit-Order.

Die Merit-Order als TreppeAngebotene MengeGebotspreisWind und SonneBrennstoff, günstigerBrennstoff, teurerGas, oft zuletztPreis für alleNachfrage
wenigviel

Grenzkraftwerk Den Preis setzt: Brennstoff, teurer.

Ein Preis für alle in der Auktion

In der täglichen Day-Ahead-Auktion treffen für jede Viertelstunde des Folgetags Verkaufs- und Kaufgebote aufeinander. Die Angebote kommen von unten nach oben zum Zug, bis die Nachfrage gedeckt ist. Das letzte noch benötigte Angebot setzt nach Darstellung der Bundesnetzagentur in der Regel den Preis, das Kraftwerk dahinter heißt Grenzkraftwerk. Dieser Preis gilt für alle angenommenen Mengen dieser Viertelstunde in derselben Gebotszone. Ein Windpark erhält in der Auktion also denselben Preis wie ein Gaskraftwerk; was er insgesamt verdient, hängt zusätzlich von Förderung und Verträgen ab. Über die europäische Marktkopplung können auch Importe den Preis setzen.

Das klingt zunächst ungerecht, hat aber einen Grund: Bei wirksamem Wettbewerb lohnt es sich für Anbieter, nahe an ihren tatsächlichen Kosten zu bieten, und die günstigsten Angebote kommen zuerst zum Zug. Die Differenz zwischen Marktpreis und eigenen Kosten verdient günstige Erzeugung als Deckungsbeitrag für ihre Investitionen.

Warum Gas und CO2 so stark wirken

Gaskraftwerke haben hohe Brennstoff- und CO2-Kosten und gehören deshalb häufig zu den letzten benötigten Anbietern, besonders wenn Wind und Sonne wenig liefern. Dann bestimmen Gaspreis und CO2-Preis den Strompreis für alle Mengen dieser Viertelstunden. Deshalb schlug die Gaskrise so stark auf den Strompreis durch, und deshalb reagiert der Strompreis bis heute auf Nachrichten vom Gasmarkt.

Große Kraftwerke sind im europäischen Emissionshandel; jede Tonne CO2 kostet ein Zertifikat, und dieser Preis steckt in den Grenzkosten von Kohle und Gas. Wie Sie diese Kosten als Betrieb tragen und wo es Ausgleich gibt, steht auf der Seite CO2-Preis.

Der Merit-Order-Effekt der Erneuerbaren

Je mehr Wind und Sonne in einer Viertelstunde liefern, desto weiter rechts beginnt die Treppe für die übrigen Kraftwerke. Teure Anlagen werden nicht mehr gebraucht, der Preis sinkt. Das nennt man den Merit-Order-Effekt. Bieten an sonnigen, windigen Tagen mit wenig Nachfrage einige Anbieter auch zu negativen Preisen, weil Abschalten und Wiederanfahren sie mehr kosten würden, kann der Preis unter null fallen (mehr auf negative Strompreise).

mit Preisen unter null, 2025 laut Bundesnetzagentur
573 Stunden
mit Preisen über 300 Euro je MWh
40 Stunden
ungewichteter Jahresdurchschnitt
89,32 Euro je MWh

Der ungewichtete Jahresdurchschnitt sagt deshalb wenig darüber, was eine bestimmte Stunde kostet.

Aus der Praxis: warum Solarstrom mittags wenig wert ist

Ein Industriebetrieb mit eigener Photovoltaik bekam ein Angebot für einen Stromliefervertrag, der teils auf Börsenpreisen, teils auf einem Festpreis beruhte. Einem Solar-Liefervertrag stand der Betrieb skeptisch gegenüber, und zwar aus einem Grund, den die Merit-Order erklärt: Solaranlagen liefern vor allem dann, wenn viele Anlagen gleichzeitig liefern und der Börsenpreis ohnehin niedrig ist. Für die teureren Zeiten bleibt eine Restmenge, die weiter am Markt gekauft werden muss. Worauf es bei solchen Verträgen ankommt, zeigen wir auf der Seite PPA.

Ein anderer Betrieb hatte seine Photovoltaik stark ausgebaut. Nach unserer ersten Schätzung sinkt sein Netzbezug dadurch so weit, dass gesetzliche Schwellen für Entlastungen in Gefahr geraten können. Hat Ihr Betrieb kürzlich viel Photovoltaik zugebaut, rechnen wir beide Fälle, damit Sie wissen, welche Entlastung danach noch greift.

Ein Festpreis auf Solarstrom ist deshalb nur so gut, wie Erzeugung und eigener Bedarf zueinander passen.

Was das für Ihren Betrieb heißt und was nicht

Die Merit-Order erklärt den Großhandelspreis. Haben Sie einen börsennahen Vertrag und wird Ihr Verbrauch je Viertelstunde gemessen und abgerechnet, kann es sich lohnen, Last in günstige Stunden zu legen. Prüfen Sie dabei mit, ob neue Leistungsspitzen oder Last in den Hochlastzeitfenstern Ihres Netzbetreibers die Netzentgelte erhöhen. Bei einem vollständig fixierten Energiepreis wirken Börsenschwankungen während der Preisbindung normalerweise nicht unmittelbar, sondern vor allem beim nächsten Abschluss.

Was die Merit-Order nicht festlegt: Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umlagen. Diese Teile Ihrer Rechnung entstehen nicht an der Börse, sie hängen an Gesetzen, Schwellen und Ihrer Messung. Genau dort prüfen wir.

Wer was übernimmt
Teil der RechnungUmsetzung
Netzentgelte einschließlich des Aufschlags für besondere Netznutzung, Konzessionsabgabe und Energiesteuersetzen wir selbst um.
StromsteuerDen Antrag auf Entlastung stellen unsere Partnerkanzleien.
Besondere Ausgleichsregelung bei den Umlagen, Industriestrompreis, Strompreiskompensation für CO2-Kosten im Strompreissetzen wir gemeinsam mit unseren Partnerkanzleien um, mit Wirtschaftsprüfern, wo ein Testat nötig ist.
Fragen zum Stromvertragübernehmen unsere Partner.

Häufige Fragen

Die Sortierung der Verkaufsgebote an der Strombörse nach Preis, vereinfacht nach den variablen Kosten der Kraftwerke: die günstigsten zuerst, die teuersten zuletzt. Mehr zum Börsenhandel auf Spotmarkt Strom.

Das letzte Angebot, das in der Day-Ahead-Auktion zur Deckung der Nachfrage einer Viertelstunde noch gebraucht wird. Sein Preis gilt in der Regel für alle angenommenen Mengen dieser Viertelstunde in derselben Gebotszone. Über die europäische Marktkopplung können auch Importe, Speicher oder Nachfragegebote den Preis setzen.

Gaskraftwerke haben hohe Brennstoff- und CO2-Kosten und gehören deshalb häufig zu den letzten benötigten Anbietern, besonders wenn wenig Wind und Sonne zur Verfügung stehen. Dann setzen Gaspreis und CO2-Preis den Börsenpreis.

Viel Wind- und Sonnenstrom verdrängt teure Kraftwerke, und der Börsenpreis sinkt. Unter null fällt er, wenn manche Anbieter auch bei negativen Preisen weiter liefern, etwa weil Abschalten und Wiederanfahren teurer wären. Mehr auf negative Strompreise.

Weil dann sehr viele Anlagen gleichzeitig liefern. Hohe gleichzeitige Solarerzeugung drückt häufig den Preis genau in diesen Stunden.

Mit einem börsennahen Vertrag und Abrechnung je Viertelstunde kann es sich lohnen, Last in günstige Stunden zu legen; Netzentgelte und Leistungsspitzen müssen dabei mitgerechnet werden. Netzentgelte, Steuern und Umlagen werden nicht an der Börse festgelegt.

Ihr nächster Schritt

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Quellen

  1. 1SMARD: Großhandelspreisesmard.de · 8. Oktober 2026
  2. 2EPEX Spot: Viertelstundenprodukteepexspot.com · 30. September 2025
  3. 3Bundesnetzagentur: Pressemitteilung zum Strommarktbundesnetzagentur.de · 5. Januar 2026
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